Fahrbericht: Peugeot RCZ R.
Der Wolf mit dem Löwen-Emblem.

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Premiere auf der IAA 2013 gehabt, Markteinführung Anfang 2014. Trotzdem wird die Produktion zum September diesen Jahres eingestellt. Da kommt die Frage nach dem Warum auf. Grund genug also, sich den Peugeot RCZ R vorher noch einmal genauer anzuschauen.

Der Peugeot RCZ R ist die Top-Version des RCZ und mit seinen 270 PS das stärkste je von Peugeot gebaute Serienmodell. Dazwischen gibt es eine GT-Line, die im Gegensatz zum Basismodell RCZ ein paar zusätzliche Ausstattungen und optische Sport-Features bot. Der „kleine“ RCZ mit 155 PS ist schon heute nicht mehr bestellbar, in wenigen Monaten wird auch die Produktion von GT-Line und RCZ R beendet. Damit setzt Peugeot seinen Plan um, sich aus der Nische zurückzuziehen, die es seit 2010 ausgefüllt hat und sich wieder voll und ganz auf die Kernaufgabe zu konzentrieren. Der Versuch, einen Sportwagen zu bauen war von Anfang an gewagt und hat bei Beobachtern durchaus Zweifel hervorgerufen. Denn die Kernaufgabe besteht in der sonstigen Modellpalette darin, praktische Kombis und Kleinwagen zu bauen, geräumige Vans oder Crossover-Fahrzeuge, die das Beste aus mehreren Welten / Fahrzeugklassen vereinen.

Aber nun mehr zum besagten RCZ R, dessen Ende wie erwähnt leider – soviel sei von meiner Meinung schon einmal verraten – besiegelt ist.

Über die Jahre ist er in verschiedenen Testberichten und Artikeln mit diversen mööglichen Konkurrenten verglichen worden: Audi TT, Audi TTS, Nissan 370Z, Toyota GT86, VW Scirocco (R), Opel Astra GTC / OPC, Seat Leon SC Cupra, Porsche Cayman, …

Allein von der Optik her ist ein Vergleich des Basismodells RCZ mit einem Konkurrenten sehr schwer zu ziehen. Am ehesten sieht er vielleicht wie ein Audi TT aus, aber mit seinen geschwungenen Linien und dem großen Glasdach mit dem auffälligen Bogen ist er definitiv ein Blickfang und im Prinzip unvergleichbar. Der RCZ R toppt all dies noch einmal: aggressiver Frontgrill mit „R“-Logo, verchromter Doppelauspuff, 10mm-Tieferlegung, rote Bremssättel vorne, schwarz-glänzende Bremssättel hinten, „R“-Logo auf Heckklappe und Felgen und vor allem der fest verbaute Heckspoiler wirken sehr sportlich und unterstreichen die dynamische Erscheinung. (Beim RCZ konnte der Spoiler bei Bedarf bzw. in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit ausgefahren werden, beim RCZ R ist er fest montiert). Das Dach gibt es auf Wunsch ebenfalls schwarz-glänzend oder im Karbon-Stil.

Im Innenraum setzt sich der sportliche Eindruck fort. Absolutes Highlight sind die extra für den RCZ R entworfenen Sportsitze, selbstverständlich mit roten Ziernähten und dem „R“-Logo bestückt, aus Nappaleder und Alcantara. Die Sitze vermitteln durch den großartigen Seitenhalt einerseits ein sehr sportliches, gleichzeitig aber auch ein sehr angenehmes und gemütliches Gefühl. Weiterhin findet man die roten Nähte auf dem Schaltknauf, den Fußmatten, am Lenkrad, der Mittelarmlehne, der Armaturentafel und um die Lüftungsdüsen herum, die eine Analog-Uhr einrahmen.

Der RCZ R ist ein 2+2-Sitzer. Auch wenn es cooler wäre, den Fahrspaß mit drei Mitfahrern zu teilen, werden die beiden hinteren Sitze mit großer Wahrscheinlichkeit eher selten bis nie genutzt. Ab einer Kärpergröße von etwa 1,70m hat man aufgrund des niedrigen und schrägen Dachs bereits erhebliche Komfort-Probleme. So muss man den Interessenten den Wagen eben exklusiv in Einzelpräsentationen vorführen. Dadurch „muss“ man also zwangsläufig auch häufiger und mehr fahren. Ich denke, es gibt deutlich Schlimmeres. Verwendbar sind die Sitze wenn überhaupt für Kinder oder eben einfach als zusätzlicher Stauraum, obwohl auch schon der „normale“ Kofferraum für einen Sportwagen überraschend viel Platz bietet.

Dann Turboaufladung leistet der 1,4 Tonnen schwere RCZ R mit nur 1,6 Litern Hubraum stolze 270 PS. Für die Beschleuning von 0 auf 100 km/h braucht er nur 5,9 Sekunden. Das sind über zwei Sekunden weniger als bei der RCZ-Basisversion mit 155 PS. Abgeriegelt ist er bei 250 km/h. Das sehr dynamisch ausgelegte Fahrwerk, die direkte Lenkung und die Sportsitze sorgen für hohen Fahrspaß. Offiziell liegt der Verbrauch bei 6,3 Litern / 100 km. Dieser Wert konnte im Test nicht eingehalten werden und lag eher um die 8 Liter. Selbst das ist aber für ein 270 PS starkes Fahrzeug noch im Bereich des Akzeptierbaren. Den RCZ R gibt es ausschließlich als Handschalter, eine Automatik gibt es lediglich beim Basismodell. Der Fahrer ist also während der Fahrt bestmöglich involviert. Die trockene Federung lässt einen im Alltag die Bodenwellen beim Überfahren durchaus direkt spüren. Der Sound ist durchaus knackig, trotzdem nicht übertrieben.

 

Fazit:

Der RCZ R entpuppt sich im Test als alltagstauglicher Sportwagen, der aufgrund des Fahrerlebnisses und auch der Optik ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Auch die Größe des Kofferraums sorgt dafür, dass er kein reines Spaßauto bleibt. Möchte man ihn beispielsweise mit den Premium-Konkurrenten Audi TTS oder Porsche Cayman vergleichen, so gilt zu resümieren, dass der RCZ R mehr Ausstattung und PS für weniger Geld bietet. Dennoch ist er nicht ganz günstig: Mindestens 42.100€ muss man für den Franzosen hinlegen. Andererseits ist es damit im Prinzip auch getan, da man nicht wirklich Sonderausstattung benötigt. Der RCZ R ist schon in der Serienausstattung ausreichend ausgestattet.

Insgesamt ist er ein guter, schnörkelloser und überraschend bequemer Begleiter für den Urlaub zu zweit oder für einen Trip in kurvige Bergstraßen, wo er mit seiner Fahrleistung überzeugen kann. Deshalb ist es zu bedauern, dass Peugeot entschieden hat, sich wieder aus der Nische herauszuziehen und die Produktion des RCZ R einstellt.

Keyfacts

Car: Peugeot RCZ R 270 THP

Client: Peugeot Citroën Retail Deutschland GmbH, Niederlassung Rhein-Main

Location: Frankfurt, Germany

Date: July 2015

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