Fahrbericht: BMW i8 (2015)
Erster einer anderen Zeit

/

2011 fährt Tom Cruise ihn im vierten Teil von Mission Impossible. Seit März 2014 ist er auf den Straßen unterwegs. Für mich geht mit ihm als absolutes Highlight das Jahr 2015 zu Ende: der BMW i8.

Der i8 ist ein unfassbar spannendes Fahrzeug, nicht nur wegen seines ungewöhnlichen und polarisierenden Aussehens, sondern auch wegen seiner Fahreigenschaften. Genau wie im i3 setzen die Münchener beim i8 auf die Kombination aus wegweisender Nachhaltigkeit und dem BMW-typischen Premiumcharakter.

Viele von uns denken bei „Sportwagen“ zunächst einmal an großen Hubraum, starke Motoren, einen rassigen Klang aus möglichst vielen, möglichst breiten Endrohren. BMW sieht das alles ein bisschen anders: ein 1,5-Liter-3-Zylinder-Benzinmotor und ein Elektromotor bilden das Fundament des innovativen Fahrzeugs. BMWi-Chefdesigner Benoit Jacob sagt, der i8 ändert unsere Sicht auf das Automobil, speziell auf Sportwagen. Er beweist, dass Sportwagen weder große Motoren benötigen, noch ineffizient sein müssen. Deshalb haben sich Jacob und sein Team entschieden, keine Luxuslimousine zu entwickeln, sondern einen Plug-In-Hybriden.

Nur selten habe ich den i8 während meiner Testzeit abgestellt und mich mit anderen Dingen beschäftigt. Den Großteil der Zeit saß ich hinterm Steuer, mehr als bei jedem anderen Testfahrzeug, welches ich bisher zur Verfügung hatte. Einerseits weil ich nicht genug bekommen konnte von diesem außergewöhnlichen Fahrzeug, aber auch ein wenig weil es ein interessantes Gefühl ist, wie viel Aufmerksamkeit man mit dem BMW i8 erhält. Unzählige Male wurde ich auf das Fahrzeug angesprochen. Spaziergänger, Postboten, jung und alt, Mann und Frau. Jeder hatte Fragen zum i8, viele wollten ihn sich genauer angucken, den Sound hören (sowohl vom Elektromotor als auch vom Verbrennungsmotor), sich reinsetzen, Fotos machen. Vorbeifahrende Autofahrer auf der anderen Straßenseite nicken zustimmend zu.

Der besondere Sportwagencharakter des BMW i8 ist durch die spektakulären Flügeltüren auf den ersten Blick unverwechselbar. Die Türen setzen ein absolutes optisches Highlight und passen hervorragend zu den geschmeidigen Linien und der aerodynamischen Karosserie.

Ich muss zugeben, dass ich mir vor meiner ersten Sitzprobe im i8 erst einmal angeguckt habe, wie der Product Genius für BMWi Pascal Lugert den Einstieg meistert. Bei „Unerfahrenen“ sieht es nämlich zu Beginn in etwa so aus, als würde man einen Sack Reis in den Sitz schmeißen. Jedoch wirkt es danach von Mal zu Mal sportlicher und lässiger und gelingt am einfachsten, indem man sich auf den Schweller setzt und von dort aus in den Sitz fallen lässt.

Im Innenraum vereint der BMW i8 Eleganz und Avantgarde. Das Design verknüpft klare Formen, Funktionalität und Nachhaltigkeit. Carbonteile betonen beispielsweise im Einstiegsbereich das geringe Gewicht des Fahrzeugs. Der Einsatz von recycelten Materialien im Innenraum und Leder, das rein pflanzlich mit Olivenblattextrakten gegerbt wurde sind Beispiele dafür, dass sich Nachhaltigkeit und Premiumqualität nicht ausschließen.

Die Mittelkonsole neigt sich dem Fahrer zu und sowohl das TFT-Display als auch die Instrumententafel mit ihren zwei großen, volldigitalen Displays lassen sich problemlos ablesen und bedienen.

Die Sitzpositionen auf der Fahrer- und Beifahrerseite sind besonders tief und betonen die Sportlichkeit des i8. Die Leichtbausitze bieten hohen Komfort und selbst bei rasanterer Fahrweise zuverlässigen Halt. Der BMW i8 ist technisch gesehen ein 2+2-Sitzer, wobei die beiden hinteren Sitze maximal für Kinder bis 1,50m Körpergröße geeignet sind und eher als erweiterte Ablagefläche genutzt werden.

Der eDrive Antrieb des i8 vereint als Plug-in-Hybrid das Beste aus zwei Welten zu einem einzigartigen Fahrerlebnis. An der Vorderachse befindet sich der Elektromotor mit 96 kW (131 PS). Die Hinterachse wird von dem bereits angesprochenen kraftvollen TwinPower Turbo Benzinmotor mit 170 kW (231 PS) Höchstleistung und bis zu 320 Nm Drehmoment angetrieben. Unter der ungewöhnlich breiten Armlehne zwischen den Sitzen, liegt der Hochvoltspeicher. Dadurch hat der i8 den tiefsten Schwerpunkt aller derzeit angebotenen BMW-Modelle, was zu einer enormen Agilität und Kurvendynamik führt und die BMW-typische „Freude am Fahren“ gewährleistet. Gemeinsam beschleunigen die beiden Motoren den i8 in 4,4 Sekunden von 0 auf 100km/h, elektronisch abgeriegelte Höchstgeschwindigkeit: 250km/h. Das alles bei einem angegebenen Verbrauch von 2,1 Litern auf 100km und CO2-Emissionen von 49 g/km.

Die Rückgewinnung von Bremsenergie durch das – aus dem BMW i3 bekannten – One-Pedal-Feeling und während Verzögerungsvorgängen sorgen dabei für ein stetiges Aufladen der Batterie und dadurch eine Steigerung der rein elektrischen Reichweite. Das aerodynamische Design trägt ebenfalls dazu bei, dass der Sportwagen zumindest auf dem Papier Verbrauchs- und Emissionswerte erreicht, die sonst nur Kleinwagen erreichen. Während der Testtage bin ich im Durchschnitt jedoch eher auf einen Verbrauch von etwa 7,5 Liter / 100km gekommen, bei zugegebenermaßen größtenteils aber auch sehr sportlicher Fahrweise. Definitiv also nicht das, was in den Werksangaben steht, eines Sportwagens aber absolut würdig.

Je nach Fahrsituation kann der Fahrer zwischen drei Fahrmodi wählen: Comfort, Eco Pro und Sport. Rein elektrisch kann der BMW i8 bis zu 60km/h fahren dabei 37km zurücklegen. In dem Moment wo die Batterie fast leer ist und bei höheren Geschwindigkeiten als 60km/h schaltet sich der Verbrennungsmotor hinzu und die beiden Motoren verbinden – zumindest im letzteren Fall – das beste aus zwei Welten. Durch Betätigen des eDrive-Buttons kann die 60km/h-Grenze auf 120km/h erhöht werden, bis zu der der i8 (sofern es die Batterie zulässt) den Verbrennungsmotor nicht hinzuschaltet. Freunde des sportlichen Fahrgefühls stellen den Gangwahlhebel auf den Fahrmodus Sport. Die Fahrzeugabstimmung wird betont sportlich und die digitalen Instrumente leuchten rot. Hat das Fahrzeug im Elektromodus noch eher nach einem Staubsauger oder nach einer einfahren Bahn geklungen, ist man sich im Sportmodus dank eingebautem Soundgenerator plötzlich sicher, dass sich dort unter der Haube mindestens sechs Zylinder befinden und nicht drei. Runterschalten, Hochschalten, Beschleunigen: das alles donnert schön und klingt sehr kräftig – ein Sportwagen eben.

Der Kofferraum ist .. sagen wir mal überschaubar. Öffnet man den Kofferraumdeckel (die Scheibe) denkt man zunächst noch, dass dort wo man den Kofferraum vermutet ordentlich etwas reinpassen müsste. Bis einem wieder einfällt, dass sich unmittelbar vor dem Kofferraum der Dreizylinder-Benziner befindet. So bleibt gerade noch genug Platz für einen Rucksack und eine kleine Sporttasche oder aber für 3 Sixpacks 1,5-Liter-Wasserflaschen.

Preislich startet der BMW i8 bei 130.000€. Die Liste der auswählbaren Extras ist erstaunlich übersichtlich, weshalb der Preis nicht ins Unermessliche steigen kann. Kommt wie bei meinem Testfahrzeug noch Sonderausstattung wie das Head-Up-Display, der Komfortzugang oder das HiFi Lautsprechersystem von harman/kardon hinzu, landet man insgesamt bei etwas unter 140.000€ und hat im Prinzip alles Wichtige an Bord. Wählt man die komplette Liste der Sonderausstattungen aus (mit den beiden teuersten Komponenten Laserlicht für 6.300€ und der Motorabdeckung aus Leder für 1.300€) kann man maximal auf 150.270€ kommen.

Fazit:

Wer sich selbst zu den Innovatoren und Pionieren zählt und einerseits den ersten Schritt in eine neue Ära der nachhaltigen Mobilität machen möchte, andererseits aber aller Vernunft zum Trotze nicht auf die Freude am Fahren und das Sportwagengefühl verzichten möchte, wird vom BMW i8 begeistert sein. Mit der Wahl des i8 entscheidet man sich für einen der modernsten Sportwagen auf dem Markt, der gleichzeitig der beste Beweis dafür ist, dass man für Nachhaltigkeit nicht auf Leidenschaft verzichten muss. Die Kombination aus der Raumschiff-Optik aus einer anderen Zeit, dem Verbrauch eines Klein- oder Mittelklassewagens und dem Fahrgefühl eines Sportwagens ist einzigartig und hat zumindest während meines Tests sowohl mich als auch die Mitfahrer und viele interessierte Schaulustige vollends überzeugt.

Keyfacts

Car: BMW i8, Kristallweiß Perleffekt mit Akzent Frozen Grey metallic

Client: Autohaus Euler GmbH, Frankfurt-Eckenheim

Location: Frankfurt, Germany

Date: Dezember 2015

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.