Fahrbericht: BMW i3 mit Range Extender
Die leise Revolution

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Der BMW i3. Ein Erfolg ist der kleine City-Flitzer ja definitiv. Ziemlich genau zwei Jahre nach seinem Verkaufsstart im November 2013 ist er mit etwa 25 % Marktanteil das meistverkaufte Elektrofahrzeug in Deutschland. Weltweit kommt er mit 10 % auf einen respektablen dritten Rang. In Norwegen – klassischerweise eine Hochburg in Sachen Elektromobilität – ist der BMW i3 im aktuellen Jahr das am meisten verkaufte BMW Modell überhaupt.

Einer der Gründe für die Erfolgsgeschichte des BMW i3 ist die Tatsache, dass er als weltweit einziges Elektrofahrzeug optional mit einem Range Extender zu kaufen ist. Dieses Feature – ein kleiner Verbrennungsmotor – gibt gerade bei Kunden, die dem Erwerb eines Elektrofahrzeuges skeptisch gegenüberstehen, oftmals den Ausschlag zum Kauf eines BMW i3. Um der gestiegenen und weiterhin steigenden Nachfrage nachzukommen, gehen derzeit im BMW Werk in Leipzig pro Tag mehr als 100 BMW i3 vom Band.

Trotz all dieser Erfolge ist der BMW i3 noch immer ein Fahrzeug, welches auf der Straße auffällt. Nachdem ich ihn zu seiner Markteinführung schon einmal gefahren bin, habe ich den BMW i3 mit Range Extender mit freundlicher Unterstützung von BMW Euler in Frankfurt nun nochmals unter die Lupe genommen.

Fangen wir mit dem Design an. Ja, es ist ungewöhnlich. BMW selbst bezeichnet es als progressiv. Die Fahrzeugarchitektur des i3 ist in zwei unabhängige Einheiten unterteilt:

  • Das Drive-Modul: Dieses stellt den unteren Teil des Fahrzeugs dar, besteht aus Aluminium und hält alle Bauteile zusammen, die das Fahren ermöglichen. Den Elektromotor, das Getriebe, der Reichweitenverlängerer, die Hochvolt-Batterie.
  • Das Life-Modul: Dadurch steht der obere Teil der Fahrzeugarchitektur komplett als nutzbarer Raum zur Verfügung. Es gibt keinen Mitteltunnel, der den Fahrer vom Beifahrer trennt, es gibt keine B-Säule die sich zwischen den gegenläufig aufschwingenden Seitentüren befindet. Dadurch bietet der i3 einen komfortablen Einstieg in eine schlichte, aufgeräumte Fahrgastzelle mit einem Platzangebot, welches seines gleichen sucht. Überdies wird das Fahrzeug aus extrem leichtem und gleichzeitig sehr robustem Carbon gefertigt, was Gewicht (1.195kg) und Schwerpunkt senkt und Agilität und Sicherheit steigert.

Im Innenraum werden Materialien verbaut, die aus nachhaltigen und recycelten Rohstoffen gewonnen werden, aber gleichzeitig sehr edel wirken. Dazu gehören beispielsweise Kenaf-Fasern in den Verkleidungen, Schurwolle für die Sitzbezüge, FSC-zertifiziertes Eukalyptusholz oder olivenblattgegerbtes Leder.

In Leipzig wird der i3 zu 100% aus Windkraft gefertigt, was neben dem niedrigen Verbrauch während der Fahrt auch den Energiebedarf bei der Produktion gegenüber anderen BMW Modellen halbiert. Insgesamt können 95 % des Fahrzeugs recycelt werden. Die Carbonfasern werden beispielsweise wieder dem Produktionsprozess zugeführt, die Batteriemodule können als Speicher für Solarenergie wiederverwendet werden.

Aber wie fährt sie sich denn überhaupt, die Zukunft der Automobilität ? Man braucht eine gewisse Zeit, um sich an das Fahrzeug zu gewöhnen. Danach macht es einfach nur Spaß ! Die ersten paar Male, die man auf Ampeln oder Kreuzungen zufährt und die letzten Meter ausrollen will, wird man durch einen Ruck wieder darauf hingewiesen, dass man in einem i3 sitzt. „Ausrollen“ gibt es nicht mehr. Sobald der Fuß vom Gas geht, bremst das Fahrzeug. Bewegungsenergie wird zurückgewonnen, um damit die Batterie zu laden. Die Technik nennt sich „Rekuperation“. Da Anglizismen im Sprachgebrauch angesagter sind als lateinische Begriffe, wird diese Innovation, mit der „das Fahren noch direkter erlebt“ wird auch als „One-Pedal-Feeling“ bezeichnet.

Außerdem muss man sich an die Kraft gewöhnen, die sofort aus dem Stand heraus abrufbar sind. 250 Nm Drehmoment stehen ständig zur Verfügung.

Mir ist es häufiger passiert, dass ich an einer roten Ampel neben einem deutlich leistungsstärkeren Fahrzeug gehalten habe. Während Fahrer und Beifahrerin sich den – für sie offensichtlich nicht gewöhnlichen – BMW i3 etwas genauer angucken, genieße ich bereits die Gewissheit, dass die beiden kurz darauf große Augen machen werden. Als die Ampel auf Grün umspringt, bin ich weg. Ansatz- und lautlos ziehe ich davon und kann im Rückspiegel nicht einmal mehr erkennen, ob mein Nachbar nun einen Mercedes, Porsche oder BMW hatte. Wie auch immer, er war gewiss leistungsstärker und lauter – mein BMW i3 macht dafür deutlich mehr Spaß und ist auch noch gut zur Umwelt und zum Portemonnaie.

Der BMW i3 ist serienmäßig mit einer eigenen SIM-Karte ausgestattet und dadurch mit der Welt vernetzt. Das optionale Navigationssystem von BMW i informiert über die aktuelle Reichweite, über die kürzeste, schnellste oder effizienteste Route zum Ziel und die Ladestationen entlang der Strecke. Mithilfe der BMW i Remote App kann darüber hinaus auch aus der Ferne auf Informationen wie elektrische Reichweite, Ladezustand und Fahrzeugstatus zugegriffen werden. Die Angaben zur Reichweite sind besonders präzise, weil das Navigationssystem zur Berechnung neben Zustand der Batterie, Fahrverhalten und Echtzeit-Verkehrsinformationen sogar die geografischen Gegebenheiten in die Berechnung mit einfließen lässt.

Generell sind Vernetzung und intelligente Servicelösungen bei BMW i – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Fahrzeuges – wichtige Themen.

Bei ChargeNow handelt es sich beispielsweise um einen Mobilitätsservice von BMW i, der Service rund um das Laden im Netz der öffentlichen Ladestationen bietet. Die Stationen werden über das Navigationssystem oder die BMW i Remote App angezeigt, was die Suche nach Ladestationen sehr einfach und schnell macht. Auch die Nutzung könnte simpler nicht sein, da die Bezahlung einfach bargeldlos per ChargeNow App oder mittels einer ChargeNow Karte funktioniert.

Eine weitere Lösung ist ParkNow. Hierüber werden sowohl on-street-Parkplätze am Straßenrand, als auch off-street-Parkmöglichkeiten (beispielsweise in Parkgaragen) abgedeckt. Via Website oder App (und bald auch über das BMW i Navigationssystem) lassen sich Garagenparkplätze finden, buchen und bezahlen. Dabei können diverse Kriterien wie zum Beispiel die Entfernung oder der Preis zur Eingrenzung der angezeigten Treffer ausgewählt werden. Ein elektronisches Ticket gewährt die Zufahrt zum reservierten Stellplatz, wodurch die meist nervige und vor allem umweltschädliche Suche nach freien Parkplätzen entfällt. Auch das Straßenparken wird durch ParkNow deutlich angenehmer, da die Suche nach Kleingeld, der Gang zur Parkuhr und wieder zurück zum Auto zur Hinterlegung des Tickets entfallen. All das funktioniert online und es lässt sich bei Bedarf sogar die Parkzeit bequem von unterwegs verlängern.

 

Aufgeladen wird der BMW i3 entweder unterwegs oder zu Hause. Der bereits beschriebene Dienst ChargeNow vereint verschiedene Anbieter von Ladestationen zum weltweit größten Netz von öffentlichen Lademöglichkeiten. Je nach Art der Ladestation dauert es zwischen einer Stunde (Schnellladen) und 8 Stunden (Basisladen) um den i3 vollständig aufzuladen. Während die Basisladen-Möglichkeit während des Arbeitstages durchaus Sinn macht, sind Schnellladen-Ladestationen praktisch während eines Einkaufs oder Kaffeetrinkens.

Alternativ gibt es jedoch auch die „Tankstelle für zu Hause“. Die BMW i Wallbox, eine Box mit futuristischem einzigartigem Design, gibt es in zwei Ausführungen: In der Pro-Ausführung ist es möglich, dass mehrere Nutzer ihre persönlichen Profile anlegen mit jeweils individuellen Abrechnungsarten. Darüber hinaus kann die Ladestation in Zeiten in denen alles mit allem vernetzt sein muss, auch an das heimische Smart-Home-System angebunden werden, wodurch beispielsweise selbst gewonnener Solarstrom genutzt werden kann. In der Basisversion „Wallbox Pure“ erfolgt das Laden automatisch und lädt den i3 in weniger als 5 Stunden zu über 80% auf. Mit dem Standardladekabel lässt sich der i3 darüber hinaus auch innerhalb von etwa 8 Stunden über die Haushaltssteckdose aufladen.

Im BMW i3 mit Range Extender befindet sich neben dem Elektromotor noch ein Reichweitenverlängerer im Heck. Der kleine und leise 2-Zylinder Benzinmotor kann die Reichweite im Fahrmodus „Comfort“ nahezu verdoppeln und treibt einen Generator an, der sich bei niedrigem Ladezustand der Batterie automatisch einschaltet (oder bei Bedarf auch schon vorher manuell zugeschaltet werden kann) und dann den Energiegehalt konstant hält, sodass der i3 weiter rein elektrisch fahren kann.

Und damit sind wir beim wichtigsten Thema angelangt: dem Verbrauch. In der Regel ist man am Tag zwischen 35km und 50km mit dem Auto unterwegs. Für den Alltag reicht die Reichweite des BMW i3 mit 160km also vollkommen aus. Je nach gewähltem Fahrmodus, Außentemperatur und eingeschalteten Systemen kann dieser Aktionsradius wachsen oder schrumpfen. Im Normalfall hat der BMW i3 jedoch noch genug Energiereserven, wenn man nach dem Einkaufsbummel oder dem täglichen Arbeitsweg wieder zu Hause ankommt.

Der angegebene Stromverbrauch von 12,9 kWh / 100km entspricht etwa 3,50€ pro 100km. Bei aktuellen Kraftstoffpreisen von etwa 1,25€ / Liter, müsste der Normverbrauch des Fahrzeugs mit weniger als 3 Litern auskommen, um den Preis pro 100km vom BMW i3 zu schlagen.

Im Test lag der tatsächliche Verbrauch nach mehreren Stunden Fahrt mit Stadt-, Landstraßen- und Autobahnfahrten und den jeweilig passenden Geschwindigkeiten bei 13,9 kWh / 100km und damit sehr nah am angegebenen Verbrauch im Verkaufsprospekt.

Ich persönlich kann mich mit dem sehr klobigen Schaltknauf nicht anfreunden, der sich rechts am Lenkrad befindet, da er in meinen Augen vom Stil her nicht zum restlichen Fahrzeug passt. Ansonsten bin ich vom Fahrverhalten und der Leistung des BMW i3 sehr angetan. Gerade in der Stadt macht es viel Freude, nahezu geräusch- und geruchslos aber gleichzeitig unvorstellbar dynamisch eine neue Art von Fahrfreude zu genießen. In Metropolregionen ist auch die Suche nach Ladestationen in der Nähe eher ein zu vernachlässigendes Problem, dies trifft auf weite Teile des Landes jedoch noch nicht zu. Bis die Infrastruktur in dem Bereich nicht deutlich besser ausgebaut ist, würde ich auf einen Range Extender nicht verzichten wollen, um eben doch nicht komplett davon abhängig zu sein, eine passende Ladestation zu finden und dann auch Zeit zu haben, den i3 aufzuladen. Auch wenn man dadurch vom Tankwart mal etwas schräg angeguckt wird, wenn man mit etwas mehr als halbleerem Tank ankommt und dann nur 3,5 Liter tanken muss, bis der Wagen vollgetankt ist (der Tankinhalt beträgt 9 Liter). Trotzdem wäre mir das Wissen, den Range Extender als Back-Up zu haben, definitiv die etwa 4.500€ Aufpreis wert.

Bei meinem Testwagen handelte es sich um den BMW i3 mit Range Extender und dem Interieurdesign „Loft“. Die Außenfarbe Ionic Silver mit Akzent BMW i Blau und die Stoff-/Sensatec-Kombination „Electronic“ Carumgrau unterstreichen den Loft-Charakter und die Schlichtheit des BMW i3. Als Sonderausstattung verfügte er über die 20“-BMWi-LM-Räder, das elektrische Glasdach, den Driving Assistant Plus, das HiFi-Lautsprechersystem von harman/kardon und vieles vieles mehr. Zum Grundpreis von 39.450€ kommen dadurch 4.480€ für Pakete und weitere 8.720€ für Sonderausstattung hinzu, die zu einem Gesamtpreis von etwa 53.000€ führen.

Der Erfolg des BMW i3 ist ein klarer Beleg für das wachsende Interesse der Bevölkerung an nachhaltiger Mobilität. Sinnvoll finde ich es zudem, dass BMW den i3 in die DriveNow-Carsharingflotte integriert. An den deutschen Standorten sind 100 BMW i3 im Einsatz, bis zum Jahresende folgen 300 weitere. Im dänischen Kopenhagen hat DriveNow im vergangenen September mit 400 Fahrzeugen die bislang größte Flotte in Betrieb genommen. So ermöglichen die Bayern zahlreichen Kunden und Interessenten auf komfortable Weise den Erstkontakt mit rein elektrischer Mobilität und tragen so zur wachsenden Akzeptanz der Antriebstechnologie bei.

Fazit

Insgesamt ist der BMW i3 beileibe kein günstiges Auto, aber dafür erhält man hochklassige Qualität aus dem Hause BMW und ein Fahrzeug, welches in Sachen Nachhaltigkeit und Elektromobilität erfolgreiche Pionierarbeit leistet. Darüber hinaus bietet es einen enormen Fahrspaß und ist gut zu unserer Umwelt. Auch wenn ich mich an das Design des Schaltknaufs einfach nicht gewöhnen kann und nachdem ich eine gewisse Zeit brauchte, um mich an Karosserieform und Fahrweise zu gewöhnen, überzeugt mich der i3 mittlerweile vollends.

Keyfacts

Car: BMW i3 mit Range Extender, Ionic Silver

Client: Autohaus Euler GmbH, Frankfurt-Eckenheim

Location: Frankfurt, Germany

Date: November 2015

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